EINSAME MENSCHEN
Marie ist Architektin und hat sich den Traum vom Eigenheim im Grünen erfüllt. Nur noch schnell das erste Kind gebären, bevor es losgehen kann mit dem Ausbau des integrierten Co-Working-Space für Backpacker. Ihr Mann Gerhart hat sich ganz der Angewandten Tiersoziologie verschrieben und beschäftigt sich lieber mit der Brut der schwach gepunkteten Wasserschrecke als seiner eigenen. Während er vor sich hin promoviert statt mit anzupacken und Marie ihr eigener Tatendrang über den Kopf wächst, rät Schwiegermutter Erika zu mehr Gelassenheit – Karriere, Kind und Beziehung auszubalancieren sei nur eine Frage des Willens und der richtigen Heilgymnastik. Als sich die digitale Nomadin Margarete einquartiert – zum Leben braucht sie nichts als das WLAN-Passwort –, erscheint dem Paar die eigene Sesshaftigkeit plötzlich fad.
Frei von jeglichem Mitleid stellt Felicia Zeller in ihrer Überschreibung von Gerhart Hauptmanns Klassiker „Einsame Menschen“ die Weinerlichkeit der Privilegierten aus – und nimmt dabei das akademische Milieu und alte Rollenmuster aufs Korn.
Marie Germaine Sollberger
Gerhart Levent Kelleli
Erika Carolin Weber
Bölsche Ben Janssen
Margarete Amina Eisner
Regie Anaїs Durand-Mauptit
Bühne & Kostüme Hilke Fomferra
Musik Benjamin Junghans
Dramaturgie Lena Meyerhoff
VON FELIZIA ZELLER
NACH GERHARDT HAUPTMANN
PREMIERE 24. NOVEMBER 2023
STADTTHEATER GIEßEN
"Überhaupt drückt Regisseurin Anaïs Durand-Mauptit zunächst mächtig aufs Tempo, um das Geschehen im Landhaus zu entwickeln. So gibt es im engen Kontakt mit dem die weitgehend leere Bühne von drei Seiten einrahmenden Publikum einige Kabinettstückchen des Ensembles zu bestaunen. (...) So werden hier munter die Konflikte der Generationen, der Geschlechter und der Lebensentwürfe miteinander verschränkt. Dabei gibt es jede Menge Raum für Satire, Witz und bisweilen sogar Slapstick. (...)
Als unterhaltsame Persiflage eines auch in Gießen (und drumherum) beheimateten bürgerlichen Milieus funktioniert dieser Theaterabend gleichwohl. Zumal er einige originelle Zwischenspiele enthält. Etwa den mehrfach als Einschub fungierenden poetischen Chorgesang (Musik: Benjamin Junghans). Sowie ein überraschendes Finale, das Gerhards Lebensthema, die Drohnen im Bienenstock, zur erzählerischen Klammer macht, die als Metapher voll ins Schwarze trifft."
Gießener Anzeiger
"Hier wird kein Satz zu Ende gesprochen, hier wird gestammelt und verschluckt, die Personen fallen einander ins Wort und lassen sich gegenseitig nicht ausreden. Und doch weiß der Zuschauer, der ganz nah am Geschehen sitzt, in jedem Moment, was eigentlich gemeint ist."
Gießener Allgemeine



















